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Blockchain wird sämtliche Geschäftsprozesse verändern: Ein Interview mit Prof. Dr. Sandner zur EXPLAINED

Vom 09.11.2017

Am 16. November 2017 findet die <EXPLAINED> Digitalkonferenz statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen prägnante Kurzvorträge über die Chancen und Herausforderungen, die uns die neuen Technologien und Plattformen – von KI und Maschinellem Lernen, Quantencomputer bis Blockchain – bieten. Wir haben vorab mit Prof. Dr. Philipp Sandner, Speaker unserer Digitalkonferenz zum Thema Blockchain, gesprochen. Professor Sandner ist Leiter des Frankfurt School Blockchain Center an der Frankfurt School of Finance & Management.

Welche praktische Anwendung im Blockchain-Bereich in Bezug auf Ihre Arbeit fasziniert Sie am meisten?

Faszinierend ist die Integration von Finanzprozessen mit anderen Prozessen - alles auf einer Plattform. Ermöglicht durch Smart Contracts, die Geschäftsprozesse abbilden. Dabei gibt es zahlreiche Beispiele: Vom Funding von Start-ups, also den sogenannten ICOs bis zu “programmierten Finanzprodukten” oder IoT-Geräten, die an eine Blockchain angeschlossen sind und damit Teil des Ökosystems werden.

Was für eine Entwicklung können wir in den kommenden Jahrzehnten im Bereich Blockchain erwarten und wo liegen Herausforderungen und Chancen?

Blockchain wird jede Branche verändern, die Art und Weise wie Geschäftsprozesse abgebildet werden und wie wir Geschäfte machen. Daher muss man sich heute schon mit dem Thema beschäftigen. Zwei Beispiele:

1. Venture Capital-Geber sind Intermediäre. Venture Capital-Geber sind seit Jahrzehnten wichtige Financiers für Innovationen; ohne derartige Kapitalgeber gäbe es Unternehmen wie Google oder Dropbox heutzutage nicht. Es waren exakt diese Kapitalgeber, die in frühen Phasen Start-ups kurz nach deren Gründung finanziert haben, so dass diese dann zu großen Unternehmen heranwachsen konnten. Mit der Blockchain-Technologie müssen auch Venture Capital-Geber ihr Geschäftsmodell überdenken. Im Jahr 2017 sind weit mehr als 1 Milliarde Euro von Investoren via Blockchain-Technologie direkt an Start-ups geflossen – ohne dass diesen Investitionen durch Venture Capital-Geber vermittelt werden mussten. Dieses Phänomen nennt sich im „digitalen Volksmund“ Initial Coin Offering (ICO), um sich bewusst und provokant an den Begriff des Initial Public Offering (IPO) von börsennotierten Unternehmen anzulehnen. Natürlich ist hier ein gewisser Hype zu beobachten und auch die regulatorischen Anforderungen werden oftmals nicht oder nur unzureichend beachtet. Aber dennoch ist hier eine Veränderung im Gange, auf die Venture Capital-Geber achtgeben müssen, um übermorgen noch Zugang zu herausragenden Start-ups zu haben.

2. Richtig spannend wird es aber, wenn derartige Transaktionen an Bedingungen geknüpft werden: Ein Zahlungsvorgang soll nur dann ausgeführt werden, wenn bestimmte Bedingungen vorliegen. Wenn etwa eine Frachtlieferung an einem Logistikzentrum eintrifft, so soll automatisch eine Zahlung an den Lieferanten ausgelöst werden – aber nur dann, wenn diese Bedingung der eingetroffenen Ware eingetreten ist. Damit lassen sich komplette Ökosysteme schaffen, die sowohl die Leistung (also die Lieferung) als auch die Gegenleistung (also die Bezahlung) in einem System integrieren. In einer solchen Welt existieren nicht Logistikdienstleister (für die Lieferung) getrennt von Banken (für die Bezahlung). Stattdessen findet alles in einem System statt. Aufwändige Prozesse, die aufgrund von Lieferscheinen, Buchhaltung und Verträgen Medienbrüche besitzen, werden in ein System verschmolzen. Die Kryptowährung Ethereum bietet hierfür etwa die entsprechende Plattform an. Damit lassen sich Zahlungsprozesse bedingungsabhängig abwickeln, was im Jargon „Smart Contract“ genannt wird. Damit ist auch klar, dass das Wort „Kryptowährung“ an sich der falsche Begriff ist. Bei derartigen Ansätzen handelt es sich mitnichten um eine Währung, sondern eher um eine Art weltweite Plattform für Geschäftsprozesse. Insofern ist das Wort „Digital Assets“ vielsagender. Damit wird auch deutlich, dass es sich bei einer Vielzahl der 700 Kryptowährungen, die zumeist aus der Bitcoin-Architektur abgeleitet wurden, nicht um Währungen handelt, sondern um sehr innovative Ansätze, die teils auch von Start-ups vorangetrieben werden. Das Wort „Kryptowährung“ verstellt hier den Blick auf die zugrundeliegende radikale Innovation der zahlreichen Ansätze, die oftmals im Kern Fintech-Start-ups sind.

Warum ist es wichtig im Rahmen unserer <EXPLAINED> Konferenz am 16.11.2017 über das Thema Blockchain ausführlicher zu sprechen?

Kurzum ist die Bedeutung von Blockchain im Rahmen der <EXPLAINED> so wichtig, weil langfristig alle Bereiche, in denen Geschäftsprozesse mit vielen Akteuren involvieren sind, durch Blockchain verändert werden. Vor allem Smart Contracts ist da eine bedeutende Innovation. Generell trennt sich Blockchain zunehmend in zwei Domänen: public und enterprise Blockchain. Darüberhinaus werden alle Bereiche, wo Intermediäre zentral sind, durch Blockchain verändert werden, wie zum Beispiel die Finanzierung von Start-ups durch ICOs.

Hier finden Sie mehr Informationen über Prof. Dr. Philipp Sandner und können sich kostenlos zur <EXPLAINED> anmelden.

 

 

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