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Aufklärung und Verantwortung – Auf Augenhöhe mit dem Verbraucher

Vom 05.06.2019

Künstliche Intelligenz nachhaltig in der Unternehmenskultur zu implementieren, stellt Unternehmen vor zahlreiche Herausforderungen, neben technologischen Fragen, sind es vor allem ethischen Fragen im Umgang mit Daten. Unternehmen sind aufgerufen zweierlei zu tun: die Diskussion mit den Verbrauchern zu führen und für sich selbst ethische Regeln zu formulieren. Marcus Hartmann, Chief Data Officer bei ProSiebenSat.1 Media zeigt was damit künftig erreicht werden kann.

Komfort oder maximale Privatsphäre? Die Gretchenfrage, vor der Verbraucher heute stehen, trifft sie in ihrem Kern. Die Antwort darauf ist nicht eindimensional. Mit ihrem Vorhaben Künstliche Intelligenz in ihren Unternehmen zu verankern, stellen sich Entscheider und Manager einer großen ethischen Verantwortung. Und zwar in einem Ausmaß, das weit über das Unternehmen selbst hinaus reicht. Es geht vielmehr um die Entwicklung einer gesamten Gesellschaft und deren Haltung in Bezug auf den Schutz der individuellen Privatsphäre. Heute werden die Weichen in die Richtung gestellt, in die wir uns künftig bewegen wollen. Die Entscheidung betrifft uns alle und bedarf noch immer großer Aufklärung.

Die Herausforderung: Künstliche Intelligenz schafft erstmals die Möglichkeit aus ungeahnten Mengen von Daten zu lernen und versetzt uns damit in die Lage zahlreiche Abläufe, beispielsweise in der Diagnostik von Grund auf neu zu denken. Und zugleich begegnet dieser großartige technologische Fortschritt der Angst des Einzelnen.

Verbraucher sehen sich großen Unternehmen gegenüber, und sind sich über die Verwendung ihrer Daten größtenteils im Unklaren. Dabei geht es um die Kontrolle ihrer Identität: Je mehr Daten über den einzelnen Verbraucher gesammelt und gespeichert werden, desto transparenter wird er, so die Angst. Die Frage ist: Wie gehen wir damit um?

Die Europäische Kommission hat es klar formuliert: Bei der Entwicklung und Anwendung von KI soll die Steigerung des menschlichen Wohls im Fokus stehen. Dafür hat eine Expertengruppe der Kommission im April 2019 ethische Richtlinien für den “menschenzentrierten Ansatz von KI” vorgelegt. Ziel ist es, maschinengesteuerte Systeme sinnvoll und nachhaltig in der betrieblichen Praxis zu verankern. Jedes Unternehmen ist dabei gefordert, seine eigenen Grenzen zu setzen, damit eine datengetriebene KI ausschließlich für das Wohl des Menschen arbeitet.

Um diese Grenzlinie zu bestimmen, dürfen Unternehmen die Diskussion nicht nur mit sich selbst führen, sondern gemeinsam mit der Gesellschaft. Bei der Aufklärungsarbeit sind alle gefordert: Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen sowie Medien kommt die Aufgabe zu, den Verbraucher über die Handhabe seiner Daten und  seiner Wahlmöglichkeiten zu informieren und ihm dabei konkrete Nutzungs- und Einflussszenarien zu erläutern. Unwissen führt zu Unmündigkeit und zu einem Gefühl von Unsicherheit. Wissen dagegen führt zu Verantwortung – und damit zu einer bewussten Haltung aller Beteiligten.

Werfen wir einen Blick nach China, wo Unternehmen die Verbraucher über deren Smartphone-ID sowie Gesichtserkennung in Kombination mit Behavioral Targeting ansprechen können. Für ein deutsches Unternehmen, das in Asien aktiv ist, stellt sich die konkrete Frage, ob es tatsächlich all diese Möglichkeiten ausschöpfen möchte, die der Staat rechtlich bietet. Vor allem aber, ob sich Verbraucher bewusst entschieden haben, ihre Privatsphäre derart offen zu legen. Standardsegmentierung versus individuelle passgenaue Relevanz. Nur Wenige können das heute differenzieren.

Es geht nicht um alles oder nichts, denn die Daten gehören letztlich dem einzelnen Bürger als Währung seiner Identität, über die nur er selbst verfügen sollte. Dieser ethische Konsens sollte in Unternehmen und Gesellschaft tief verankert sein. Und dann wird es wieder spannend: Denn erst wenn es Unternehmen mit einem aufgeklärten mündigen Bürger zu tun haben, werden sie nachvollziehen können, mit welcher Werbung, welcher Dienstleistung und welchem Produkt sie ihm einen wirklichen Mehrwert anbieten können. Für den er bewusst bereit ist, gezielt mit seinen Daten zu bezahlen. Ein großer Mehrwert für alle entsteht: Denn nur im fairen Austausch auf Augenhöhe können Sicherheit und Vertrauen entstehen. Gutes Gefühl inklusive.

Marcus Hartmann ist Mitglied des von Microsoft initiierten Expertenrat Künstliche Intelligenz. Alle Informationen zu dem Gremium finden Sie hier.

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