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Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz“: Das „Wie“ ist entscheidend

Vom 28.09.2018

Vielleicht haben Sie es auch verfolgt: Gestern fand die konstituierende Sitzung der Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz – Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale“ des Deutschen Bundestages statt. Eine Ankündigung, die ich mit Freude aufgefasst habe. Nun kann das KI-Eckpunktepapier mit Leben gefüllt wird.

Generell begrüßen wir bei Microsoft die Einberufung dieser Enquete-Kommission sehr. Künstliche Intelligenz (KI) wird unser Leben stärker verändern, als alle digitalen Technologien zuvor. Sie wird uns dabei helfen, Umweltrisiken zu kontrollieren, Ressourcen sinnvoller zu nutzen, die Zahl der Verkehrstoten zu senken, Krankheiten und Armut zu bekämpfen - und wird auch das Leben einzelner Menschen positiv beeinflussen (man denke nur an das Projekt Seeing AI). Aber jedes Werkzeug lässt sich sowohl zum Guten wie auch zum Schlechten nutzen, wie unser Chefjustiziar Brad Smith in einem Blogpost betont. Und weil KI ein ganz besonders mächtiges Werkzeug ist, müssen wir auch besonders verantwortungsvoll mit ihm umgehen. Dazu gehört, dass wir ethische Grundsätze für die Entwicklung von und für den Umgang mit KI entwickeln.

Wir müssen ethische Grundsätze für die Entwicklung von und für den Umgang mit KI entwickeln.

Ich hoffe, dass diese ethischen Fragen um Künstliche Intelligenz ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit der neuen Enquete-Kommission werden. Es ist ein Thema, dass mir persönlich sehr am Herzen liegt. Denn wie stellen wir sicher, dass der Nutzen von KI möglichst allen Menschen zugutekommt? Wie sichern wir KI gegen Missbrauch oder Diskriminierung? Wie machen wir die Regeln, nach der KI arbeitet, möglichst nachvollziehbar und transparent?

Das alles sind ethische Fragen, die wir nicht alleine lösen wollen und können. Wir brauchen eine breite, gesellschaftliche Debatte, z.B. darüber, ob wir den Einsatz von KI in bestimmten Bereichen explizit ausschließen wollen. Oder auch darüber, wie wir die Entscheidungskriterien intelligenter Systeme transparent machen können, ohne Geschäftsgeheimnisse offenzulegen. Oder darüber, wie wir mit widersprüchlichen Zielen umgehen: Gesellschaftlich wünschenswert ist beispielsweise sowohl der Schutz persönlicher Daten und auch die Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger Trainingsdaten für die KI-Entwicklung. Solche Widersprüche lassen sich nicht per Dekret auflösen, sie benötigen einen möglichst breiten Konsens. Und vorallem brauchen wir die Politik, die das Thema auf Bundesebene platziert.

In seinem Buch „The Future Computed“ hat Microsoft-Präsident Brad Smith sechs grundlegende Gestaltungsprinzipien für KI vorgeschlagen. Damit diese in den laufenden Betrieb integriert werden, hat Microsoft den AETHER-Ausschuss (AI and Ethics in Engineering and Research) gegründet, dessen Mitglied ich selbst bin. In dieser internen Expertengruppe entwickeln wir Best Practices und Leitsätze für KI. Auf globaler Ebene engagiert sich Microsoft gemeinsam mit anderen führenden IT-Unternehmen in der ‚Partnership on Artificial Intelligence‘ für Aufklärung, Transparenz und den Austausch der Wissenschaft. In Deutschland beteiligen wir uns seit Anfang 2017 an der Arbeitsgruppe “AG Ethik” der Initiative D21. Um die Bundesregierung bei der Umsetzung ihres KI-Masterplans zu unterstützen, planen wir außerdem die Einrichtung eines Experten-Beirats: Entscheidungsträger aus Industrie, Wissenschaft und Gesellschaft werden regelmäßig bei Microsoft Berlin zusammenkommen, um die ethischen und regulatorischen Herausforderungen rund um das Thema KI zu diskutieren und Lösungsvorschläge zu entwickeln.

Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Debatte über Künstliche Intelligenz.

Natürlich geht es bei der ganzen Debatte auch um den Wettbewerb. Wie die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, gestern Abend bei unserer Veranstaltung „Digitales Deutschland“ betonte, sind wir in Deutschland in der KI-Grundlagenforschung bereits Weltspitze. Aber es gibt noch genug Bereiche, in denen wir zu den USA und China aufschließen müssen. Nur dies erfolgt sicher nicht, wenn wir nur stoisch hinterherlaufen. Gerade weil wir uns diesen komplexen ethischen Themen und Fragestellungen um Datenschutz und Privatsphäre widmen, können wir in Deutschland einen echten Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Ländern erreichen. Es liegt jetzt an uns in Deutschland Standards zu setzen und dafür brauchen wir eine Kommission, die genau dies in der Politik flankiert.

Informationen zur Autorin

Tanja Böhm

Managing Director Corporate Affairs | Leiterin Microsoft Berlin

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