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Künstliche Intelligenz in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Vom 23.01.2019

Warum ist Künstliche Intelligenz (KI) ein Thema, mit dem sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit beschäftigt, fragen Sie sich vielleicht. – Verhungern nicht täglich X Menschen in Afrika und brauchen eher eine gute Wasserversorgung als eine auf KI-basierte Applikation für ihr Mobilfunktelefon? – Fragen und Kommentare dieser Art sind durchaus berechtigt. Doch viele Menschen wissen nicht, dass heute mehr Menschen in Afrika ein Mobilfunktelefon besitzen, als dass sie Zugang zu Wasser haben. Auch wenn für das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Grundversorgung der Menschen in unseren Partnerländern an oberster Stelle steht, schließt das eine nicht das andere aus. Im Gegenteil: Technologie kann dabei helfen die Grundversorgung der Bevölkerung sicherzustellen: Stattus4, ein Start-up in Brasilien etwa findet Lecks in Wasserrohren und kann so umgerechnet 2.3 Milliarden Euro an Wasser einsparen.

Das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung beschäftigt sich seit Jahren mit neuen Technologien und prüft deren Nutzen für die Entwicklungszusammenarbeit. So suchen wir auch den Dialog mit unseren Partnerländern zum Thema KI und bringen ihre Perspektive und Wissen in den nationalen Dialog ein, wie auf dem Digital Gipfel oder in der KI-Strategie der Bundesregierung. Einerseits interessiert uns, wie man KI nutzen kann, um Prozesse in der Entwicklungszusammenarbeit innovativer zu gestalten. Andererseits versuchen wir dafür zu sorgen, dass unsere Partnerländer nicht vom technologischen Wandel abgehängt werden und betrachten globale Ungleichgewichte und ethische Gefahren kritisch.

Künstliche Intelligenz für innovative Lösungen in der Entwicklungszusammenarbeit

Krankheitsausbreitungen, Dürren, Hungersnöte und vielleicht sogar bewaffnete Konflikte vorhersagen – die Anwendungsbeispiele in der Entwicklungszusammenarbeit sind weitreichend. Es gibt bereits einige Pilotprojekte, in denen KI-Anwendungen zur Lösung lokaler Herausforderungen eingesetzt werden. Beispielsweise arbeitet das Red Cross Crescent Climate Center mit dem Nangbéto Damm in Togo, um eine regelmäßige Überflutung des Flusses Mono unter Kontrolle zu bekommen. Durch die Kombination manueller Erhebung von Niederschlagsdaten und eines selbstlernenden Algorithmus werden langfristig Überflutungsgefahren eingeschätzt. Solche Systeme können helfen, auch in strukturschwachen Ländern, Naturkatastrophen rechtzeitig vorherzusagen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Eine spannende Zukunfts-Anwendung ist die Möglichkeit, Spracherkennung und Übersetzung zu automatisieren, auch in Echtzeit. Dies könnte eine wichtige „Basis-Innovation“ für eine digitale Entwicklungsarbeit und Internationale Zusammenarbeit der Zukunft sein. Eine offen zugängliche und inklusive KI-gestützte Spracherkennung und Übersetzung hat gerade in Regionen mit einer großen Sprachvielfalt oder Analphabetenrate das Potenzial, „niemanden zurückzulassen“ (leave no one behind).

Wirtschaftliche Ungleichheit, Diskriminierung und digitale Kluft

Bisher sind Industrieländer auf dem KI-Markt führend. China und USA investieren mehrere Milliarden in die Weiterentwicklung von KI, und allgemein gilt, je mehr Daten, desto besser kann KI entwickelt werden. Die Grundvoraussetzungen in Entwicklungsländern sind daher teilweise schlechter als in Industrieländern zur KI-Entwicklung. Es besteht die Gefahr, dass letztlich nur diejenigen Länder profitieren werden, die es sich leisten können massiv in KI zu investieren. Entwicklungs- und Schwellenländer dürfen vom technologischen Wandel nicht abgehängt werden. Damit eine gerechte Teilhabe dieser Länder gewährleistet wird, ist es wichtig, vor Ort in Entwicklungsländern Kapazitäten und Wissen aufzubauen. Dies kann die deutsche Entwicklungszusammenarbeit nicht im Alleingang leisten. Weder verfügen wir über die finanziellen Möglichkeiten noch über das technische Wissen im Bereich KI, um Menschen vor Ort auszubilden. Dafür setzen wir auf die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Insbesondere große Technologiekonzerne wie Microsoft stehen in der Verantwortung, ihre enormen Ressourcen im Bereich der KI verantwortungsvoll in Entwicklungsländern einzubringen. Gegenwärtig etablieren sich schon Akteure der Privatwirtschaft in Entwicklungsländern, so eröffnet beispielsweise Google ein KI-Zentrum in Ghana und IBM ein Technologie-Forschungszentrum in Kenia. Diese Entwicklung birgt sowohl Chancen als auch Risiken. Positiv ist, dass KI-Rechen- und Denkfabriken auch in Entwicklungsländern entstehen und den lokalen Kontext in ihre weitere Entwicklung einbeziehen. Negativ ist allerdings, dass sich einige wenige Unternehmen aus Industrieländern auf der weltweiten Bühne zunehmend manifestieren. Entwicklungsländer sind dann nur noch Konsumenten der Technologie und ihre eigenen Normen, Werte oder Kultur spielen in der Entwicklung von KI keine Rolle. Im Gegenteil droht eine Entwicklung, in der die westlichen Handlungsmaximen in Algorithmen gegossen werden und so den täglichen Gebrauch von lokalen Unternehmen und der Bevölkerung beeinflussen können. Was kann die Entwicklungszusammenarbeit tun, um diesem Trend nachhaltig entgegenzuwirken?

Rolle der Entwicklungszusammenarbeit im Bereich KI

Zum einen sollten in Zukunft lokal geschaffene Lösungen wichtiger werden.  Für einen sinnvollen Einsatz von KI ist es essentiell, bedarfsgerechte Lösungsansätze zu entwickeln und diese in den entsprechenden Ländern umzusetzen. Dazu muss schon heute in Ausbildungsmöglichkeiten und Wirtschaftsoptionen vor Ort investiert werden, um morgen bei KI mitreden zu können. Zum anderen geht es darum, Eintrittsbarrieren für Bürgerinnen und Bürger, Forscherinnen und Forscher und Unternehmen im Bereich Künstlicher Intelligenz zu senken. Dies ist beispielsweise durch Investitionen in Open-Source und Open-Data-Ansätze möglich, auch hier setzen wir auf Kooperationen mit dem Privatsektor. Nicht zuletzt müssen Datensätze und Algorithmen transparent sein, um eine wirkungsvolle Kollaboration zwischen Unternehmen und relevanten Forschungszentren zu ermöglichen.

Letztlich sollte beim Themenfeld Künstliche Intelligenz der Schutz und die Stärkung der Rechte der Menschen vor Ort im Mittelpunkt stehen. Auf Gefahren aufmerksam machen, aktiv gegen KI-gestützte Menschenrechtsverletzungen und entsprechende Akteure vorzugehen, und einen entsprechenden Politrahmen zu schaffen gehören hier zu den zentralen Aufgaben der Entwicklungszusammenarbeit und der Akteure vor Ort.

Dieser Artikel erscheint in einer Serie von Gastbeiträgen zum Thema Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit im Rahmen unserer Initiative Erde an KI..!? bzw. AI for Earth.

Das Programm „AI for Earth” (als Teil unserer „AI for Good“-Initiative) unterstützt Forscher*innen und Organisationen dabei, mithilfe Künstlicher Intelligenz neue Ansätze zum Schutz von Wasser, Landwirtschaft, Artenvielfalt und Klima zu entwickeln. Unter dem Motto „Erde an KI…!? – Neue Ideen für unseren Planeten“ vernetzen wir Technologie-Experten*innen mit Vordenkern*innen aus den Bereichen Umwelt-, Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung. Das Ziel: Ein nachhaltiges Netzwerk an Mitstreitern aufzubauen, das die Lösung ökologischer Herausforderungen mithilfe von KI weiter vorantreibt. Die Initiative wird unterstützt von einem Projektbeirat, dem Linda Gabel angehört.

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