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Neugier, Eigenverantwortung – und auch ein bisschen Ungehorsam: was wir in der digitalisierten Arbeitswelt brauchen

Vom 22.03.2019

Wenn die künstliche Intelligenz in Zukunft viele Routinetätigkeiten erledigt, bleibt uns dann mehr Zeit  für das Menschliche am Arbeitsplatz? Mehr Zeit für Leadership?  Oder brauchen wir den Chef etwa gar nicht mehr, sondern überlassen der KI die Entscheidung? Wer übernimmt dann dafür die Verantwortung? Diesen Fragen war ich diese Woche auf der Spur.

Anlass war das dritte #digitalfueralle-Frühstück in der Digital Eatery von Microsoft Berlin. Microsoft Deutschland HR Chef Markus Köhler, Leadership-Expertin Inga Höltmann, Katharina Hochfeld vom Fraunhofer CeRRI und Mario Brandenburg, MdB, diskutierten mit mir und gut 50 Teilnehmern in der Digital Eatery, wie und ob AI die Rolle von Leadership zukünftig verändert.

Wir stellten schnell fest, dass es nicht unbedingt wichtig ist, an welcher Stelle der digitalen Transformation Unternehmen stehen oder ob sie schon KI-Unternehmen sind. Der Schlüssel für gutes Digital Leadership bleibt immer gleich. Wie er aus Ansicht der Panelisten aussieht, fasse ich an dieser Stelle nochmals zusammen.

1. Digital Leader müssen fragen (lernen)

Die Zeiten, in denen Chefs hauptsächlich Anweisungen geben, sind vorbei. „Hinterfragen und Reflexion sind die wichtigsten Führungskriterien für digital Leadership“, findet Katharina Hochfeld, Leiterin Unternehmenskultur und Transformation bei Fraunhofer Cerri. Dazu zählen Fragen wie: „Was wollen wir überhaupt in unserem Unternehmen? Chatbots? Intelligente Robotik? Was ist das? Was heißt das für unseren Bereich?“ Und diese Fragen müssen sie auch an die Mitarbeiter richten: „Was heißt das für euch? Wie müsst ihr euch weiterbilden?“

Dass ich als Führungskraft besseres Know-How habe, weil ich bessere Informationen bekomme – das ist Geschichte.

Mario Brandenburg, Bundestagsabgeordneter und Obmann der FDP-Fraktion im Enquete-Ausschuss KI

Die Aufgaben von heute sind: „Mitarbeiter entwickeln, zuhören, unterstützen.“ Markus Köhler sieht es ganz ähnlich. „Führungskraft ist man heute nicht mehr, weil man alles weiß.“ Deswegen bilde Microsoft seine Führungskräfte zu Coaches aus – und bringt ihnen bei, die richtigen Fragen zu stellen.

Mario Brandenburg, Bundestagsabgeordneter und Obmann der FDP-Fraktion im Enquete-Ausschuss KI

Mario Brandenburg, Bundestagsabgeordneter und Obmann der FDP-Fraktion im Enquete-Ausschuss KI

2. Eigenverantwortung und Haltung sind Grundvoraussetzung

Journalistin und Leadership-Expertin Inga Höltmann machte klar, dass digital Leadership für sie nichts mit der Position im Unternehmen zu tun hat. „Es ist die Haltung, die Einstellung, mit der ich auf die Arbeitswelt zugehe. Ständig zu hinterfragen: Was kann ich beitragen, wie kann ich kommunizieren, was ist meine Rolle?“  Und das betrifft jeden im Unternehmen.

Neugier und Eigenverantwortung sieht sie als wichtige Qualifikationen für Mitarbeiter – denn Führungskräfte können den Weg der Transformation auch nicht vorhersagen. Jeder muss sich selbst fragen: „Wie positioniere ich mich, wie verorte ich mich in einer immer digitaler werdenden Arbeitswelt? Das heißt auch: Ich kann nicht darauf warten, dass Dinge an mich herangetragen werden.“

3. Immer wieder Neues lernen

Für eine gelungene digitale  Transformation kommt es nicht nur auf die Führungskräfte an, sondern auf alle Mitarbeiter. Für Markus Köhler bedeutet das: Auf ihre Bereitschaft, Dinge auszuprobieren, gemeinschaftlich miteinander zu lernen. Und vor allem: „Auf Freude am Lernen! Die Transformation ist eine lange Reise, nicht immer leicht, manchmal auch schmerzhaft. Aber je freiwilliger man das macht, desto besser wird es.“

Katharina Hochfeld sieht KI am Arbeitsplatz als ein Werkzeug. Dies müsse immer gemeinsam gedacht werden mit Werten und Kultur. „Technologische Transformation ist auch organisatorische Transformation.“ Dazu müsse man mit allen Mitarbeitern das passende Mindset erarbeiten – „sonst wird es nicht funktionieren.“

4. Auch der Staat braucht Digital Leader

„Für Arbeitgeber ist die Digitalisierung eine riesige Herausforderung – für den Staat auch!“, sagt Brandenburg. „Digital Leadership ist genau das, was uns fehlt. Wir brauchen Digital Leader, die davon überzeugt sind, dass Digitalisierung für alle Menschen Chancen bringt, und die das den Menschen erklären.“

Für die Arbeitsagentur zum Beispiel sei es viel schwieriger als für Arbeitgeber, Menschen dazu zu motivieren, sich digital weiterzubilden. Er vermisst eine bessere Finanzierung, Konzepte und vor allen Dingen „Elan, den Menschen zu erklären, warum das wichtig ist.“ Auch für Selbstständige fehlen ihm Angebote. „Stellen Sie sich einen Handwerker vor, kleine Firma, 11 Leute, Auftragsbücher voll, zwei kleine Kinder zuhause: Wie kann der sich weiterbilden?“

5. Ungehorsam gehört dazu!

In einem waren sich alle einig: Die Verantwortung dafür, ob und für was die Künstliche Intelligenz genutzt wird, liegt am Ende beim Menschen.  Als Einzelne, als Teams, als Unternehmen und als Gesellschaft. Die Künstliche Intelligenz wird nur dann unsere Leadership übernehmen, wenn wir sie lassen und von unserer Verantwortung abrücken!

Ein vielversprechendes Schlusswort  kam von Inga Höltmann:

Gehorsamkeit ist der größte Hemmfaktor für Innovationen. Wenn wir zu gehorsam sind, zu regelgeleitet, dann verhindern wir Innovation – seid mutig!

Digital Leadership in Zeiten von Künstlicher Intelligenz ist mindestens genauso vielseitig und vielschichtig wie die Organisationen, in der sie gelebt wird. Einige Elemente ändern sich aber nie: Ein Mix aus Neugier, Mut, Eigenverantwortung und vor allem Dialogbereitschaft ist der Schlüssel für Innovation und Leadership in einer technologisch komplexen Welt. Wer sich auf diese Eigenschaften besinnt, hat schon viel erreicht.

Wodurch zeichnet sich für Dich ein #AIleader aus? Diskutieren Sie gerne mit uns weiter: beim nächsten #digitalfueralle Frühstück oder auf Twitter und LinkedIn– offen, mutig und natürlich mit Spaß an der Sache!

Informationen zur Autorin

Isabel Richter

Communications Manager | PR Lead Microsoft Berlin

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