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Warum Qualifizierung auch Eigeninitiative erfordert

Vom 06.11.2018

Das Bundeskabinett hat kürzlich den Entwurf für ein Qualifizierungschancengesetz gebilligt. Folglich soll die Bundesagentur für Arbeit (BA) verstärkt Weiterbildungen fördern und Unternehmen und Mitarbeitern dabei helfen, den digitalen Wandel zu meistern. Das Gesetz ist zwar ein wichtiges Signal, aber wenn „Reskilling“ in der notwendigen Breite und Tiefe gelingen soll, brauchen wir ein echtes Umdenken auf allen Ebenen - vor allem bei den Beschäftigten selbst.

Im September hat das Bundeskabinett den Entwurf für ein Qualifizierungschancengesetz gebilligt, mit dem das Arbeitsministerium Unternehmen wie Mitarbeiter dabei unterstützen will, den digitalen Wandel zu meistern. In Zukunft soll die Bundesagentur für Arbeit (BA) verstärkt Weiterbildungen fördern - durch mehr Beratung aber auch finanziell, berichtet die Zeit. Das ist ein Signal in die richtige Richtung. Doch mit einem neuen Gesetz allein ist es nicht getan. Wenn „Reskilling“ in der notwendigen Breite und Tiefe gelingen soll, brauchen wir ein echtes Umdenken auf allen Ebenen – bei den Bildungsverantwortlichen, bei den Entscheidern in den Unternehmen und nicht zuletzt bei den Beschäftigten selbst. Es ist natürlich wichtig, ausreichende und passgenaue Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten, das Angebot möglichst transparent und zugänglich zu machen und die Teilnahme bestmöglich zu fördern. Aber die Menschen müssen auch bereit sein, dieses Angebot zu nutzen. Fakt ist: Ohne ein Mindestmaß an Eigeninitiative seitens der Beschäftigten wird es auch in Zukunft nicht gehen.

Nur jeder achte Deutsche hat sich weitergebildet

Schließlich gibt es ja auch heute schon ein durchaus breites Spektrum an Fortbildungsmöglichkeiten und Fördermaßnahmen. Doch laut dem “Weiterbildungsatlas 2018” hat zuletzt nur etwa jeder achte Deutsche über 25 an einer allgemeinen oder beruflichen Weiterbildung teilgenommen. Dabei beunruhigt besonders die Tatsache, dass die Gruppe der Geringqualifizierten mit einer Weiterbildungsquote von 5,6 Prozent deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt von 12,2 Prozent liegt. Das ist besonders gefährlich. Denn alle Prognosen weisen darauf hin, dass sich der Arbeitsmarkt der Zukunft klar in Richtung höher qualifizierte Berufe verschiebt, während insbesondere in der Industrie einfache manuelle Tätigkeiten zunehmend automatisiert werden. Die große Herausforderung wird es deshalb sein, Menschen, die das Lernen nie gelernt haben, für das digitale Zeitalter zu qualifizieren.

Angesichts des rasanten Veränderungstempos der technologischen Möglichkeiten, sollte es eigentlich jedem klar sein, dass Lernen in Zukunft nicht mehr mit der Schule enden kann. Laut einer Umfrage von Microsoft und YouGov begrüßen auch immerhin 67 Prozent der deutschen Beschäftigten ausdrücklich eine kontinuierliche berufliche Weiterentwicklung. Allerdings fühlen sich nur 60 Prozent von ihrem Arbeitgeber dabei auch wirklich ermutigt. Laut unserer Studie leisten Unternehmen und Behörden außerdem zu wenig Unterstützung bei der digitalen Qualifikation: So bietet beispielsweise nur jeder zweite Arbeitgeber regelmäßig entsprechende Schulungen an oder ermutigt seine Mitarbeiter, mit neuen Technologien zu experimentieren.

Qualifizierung ist Bring- wie Holschuld

Ich habe allerdings den Eindruck, dass gerade in jüngster Zeit ein Umdenken in den Unternehmen eingesetzt hat. Allerdings benötigen gerade kleinere Firmen dringend Unterstützung bei der Umsetzung – und genau das soll das neue Qualifizierungschancengesetz ja auch leisten. Dennoch ist Qualifizierung sowohl Bring- wie Holschuld: Arbeitnehmer dürfen nicht darauf warten, dass ihnen Weiterbildung auf dem Silbertablett serviert wird, sie müssen sie auch einfordern. Und sie müssen Verantwortung für ihre eigene berufliche Zukunft übernehmen: durch die Bereitschaft lebenslang zu lernen, den Willen, gebotene Chancen auch zu nutzen sowie die Investition von Zeit und Energie.

All das bedingt tatsächlich einen gewissen Kulturwandel in den Köpfen. Diesen notwendigen „mindshift“ haben wir bei Microsoft schon begonnen und arbeiten unter dem Motto „always learning“ kontinuierlich und intensiv daran. Dabei sehen wir das kontinuierliche Lernen als festen Bestandteil der Unternehmenskultur, in der Lernen und Arbeiten gar nicht mehr getrennt voneinander gedacht werden können. Unser Ziel ist es, dass das Lernen für uns alle ein so selbstverständlicher Teil unseres Lebens wird, wie Essen und Trinken, wie Produktivität und soziale Interaktion, wie körperliche Bewegung und Entspannung. Wir unterstützen diese neue Lernkultur mit innovativen digitalen Lernlösungen, die sich flexibel in den Alltag aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter integrieren lassen – den Willen dazu müssen sie allerdings selbst mitbringen.

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