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Wir brauchen eine digitale Ethik

Vom 17.10.2018

Unternehmen tragen eine besondere Verantwortung. Eine digitale Verantwortung - oder auch Corporate Digital Responsibility. Wir möchten die Debatte um das Thema mit Gastbeiträgen profilierter Köpfe aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf Microsoft Berlin fortführen. Den Anfang macht Tankred Schipanski, Digitalpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion.

Künstliche Intelligenz (KI), Big Data oder Robotik haben längst Einzug in unseren Alltag gehalten und eröffnen ungeahnte Möglichkeiten für den Einzelnen, unsere Gesellschaft und die Wirtschaft. Gleichzeitig werden auch die Risiken neuer Technologien wahrgenommen. 60 Prozent der Deutschen sorgen sich laut einer Umfrage des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), dass in Zukunft viele Arbeitsplätze von Robotern, KI oder Algorithmen übernommen werden könnten. Eine Zahl, die nachdenklich stimmt, wenn man bedenkt, dass der Wohlstand unseres Landes davon abhängt, wie erfolgreich wir den digitalen Wandel als Gesellschaft gestalten.

Dafür ist es zentral, Vertrauen der Menschen in den technologischen Fortschritt zu fördern. Ich bin überzeugt, dass dies eine Aufgabe ist, die Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft nur gemeinsam lösen können. Gemeinsam müssen wir uns fragen, wie es gelingt, dass jeder Mensch an der digitalen Welt teilhaben kann, bewusst mit Informationen und seinen Daten im Netz umgeht und die digitalen Kompetenzen erwirbt, die ein sich verändernder Arbeitsmarkt erfordert.

Aus den Grundrechten leitet sich die notwendige ethische Ausgestaltung der Digitalisierung als Anspruch an den Staat ab. Dem Staat erwächst daraus zudem eine Schutzfunktion, die auch in Regulierung gegenüber Privaten mündet. Ferner sind es allgemeinmoralische und bereichsspezifische normative Kriterien, die es insbesondere von Seiten Privater zu beachten gilt. Dies kennen wir bereits aus der Technik- und Wirtschaftsethik.

Zu der Corporate Social Responsibility, die heute oft fester Bestandteil unternehmerischer Praxis ist, kommt also eine digitale Verantwortung für Unternehmen hinzu. Nicht zuletzt die verstärkte Verbreitung von Hate-Speech oder Falschinformationen im Netz hat gezeigt, dass Unternehmen, deren Geschäftsmodell darauf beruht, dass seine Nutzer Inhalte teilen, auch eine Verantwortung dafür tragen müssen, was auf ihren digitalen Plattformen geschieht.

Gerecht werden können Unternehmen ihrer digitalen Verantwortung auf vielfältige Weise, wie viele gute Projekte zeigen. Dabei denke ich beispielsweise an Bildungsinitiativen wie „Code your life“ von Microsoft, die Kinder für das Programmieren begeistern und ein Grundverständnis für Technologien fördern. Aber auch Medienkompetenzprojekte, die einen bewussten Umgang mit Informationen und Daten vermitteln, halte ich für wichtig. Denn digitale Kompetenz ist eine entscheidende Voraussetzung die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Ein anderer Aspekt der digitalen Verantwortung ist es, bei der Entwicklung neuer digitaler Produkte oder Dienstleistungen die gesellschaftlichen Auswirkungen mitzudenken. Insbesondere bei datengetriebenen Angeboten stellen sich Fragen zur Privatsphäre, der informationellen Selbstbestimmung und zu Verbraucherrechten. Wenn die Erwartungen der Nutzerinnen und Nutzer an Datenschutz-oder Sicherheitsstandards bereits bei der Produktentwicklung einbezogen werden, dann kann dies außerdem zu einem Wettbewerbsvorteil werden.

Dass wir eine digitale Ethik brauchen, belegt nicht zuletzt die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz und die damit einhergehenden Chancen und Risiken. Um wirtschaftliche, rechtliche, soziale und auch ethische Fragen zum Einsatz von KI zu beantworten, haben wir im Deutschen Bundestag eine Enquete-Kommission eingerichtet. Hier werden Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft gemeinsame Handlungsempfehlungen für den Einsatz von KI erarbeiten. Ein Grundsatz ist dabei für mich gesetzt: Die Technik muss dem Menschen dienen.

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