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Nachlese

Gröhe: Digitalisierung wird zum wichtigsten Treiber für den Fortschritt im Gesundheitswesen

Vom 03.05.2017

Digitalisierung und E-Health sind zu zentralen Themen des Gesundheitswesens avanciert. „Weder medizinische Versorgung noch Forschung sind heute ohne die Erhebung und Auswertung großer Datenmengen denkbar“, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe im Rahmen der Veranstaltungsreihe Digitales Deutschland bei Microsoft Berlin. Der CDU-Politiker machte deutlich, dass die Digitalisierung bereits heute der wichtigste Treiber für den Fortschritt im Gesundheitssektor sei. „Echten Fortschritt bringt uns die Digitalisierung aber nur, wenn wir nicht technische Möglichkeiten, sondern die Bedürfnisse der Patienten in den Mittelpunkt stellen“, mahnte der Gesundheitsminister im Gespräch mit dem Verleger Dr. Wolfram Weimer. „Die Möglichkeiten moderner Technik müssen menschliche Entscheidungen stützen, sie sollen Ärzte und medizinisches Personal aber nicht ersetzen.“

Digitale Prozesse, Datenanalyse und Vernetzung bergen große Chancen für mehr Lebensqualität und eine bessere Gesundheitsversorgung. Im Vordergrund sollte indes immer der Nutzen für die Patienten stehen. Eine „digitale Gesundheitsagenda“ sollte sich nach Gröhes Einschätzung deshalb an folgenden Leitmotiven orientieren: Teilhabe der Patienten am medizinischen Fortschritt, hohe Versorgungsqualität, Selbstbestimmung und Sicherheit. Vor allem der letzte Punkt ist für den Bundesgesundheitsminister ein elementares Element für eine erfolgreiche Digitalisierung. „Ich will den Datenschutz ausdrücklich würdigen, bei der Gesundheit geht es um höchstpersönliche Daten. Eine klug gemachte Digitalisierung bedeutet deshalb nicht weniger, sondern mehr Datenschutz“, so Gröhe. Am Ende kann ein digitaler Datenaustausch nach seiner Einschätzung sogar mehr Sicherheit bringen als traditionelle analoge Prozesse. Denn jedes Jahr werden heute rund fünf Milliarden Behandlungsdokumente noch immer per Fax oder Brief ausgetauscht. Aus Sicht des Datenschutzes keine vernünftige Lösung, stellt der Minister fest. Doppelte Verschlüsselung, protokollierte Datenzugriffe und weitere im E-Health-Gesetz festgeschriebene Sicherheitsstandards machen den digitalen Datenaustausch hingegen sehr sicher. Hermann Gröhes Anspruch: „Wir müssen Menschen befähigen, Herrin und Herr ihrer Daten zu werden.“

Im Mittelpunkt der Digitalisierungsstrategie im Gesundheitssektor steht der Aufbau einer Telematik-Infrastruktur durch die 2005 von den Spitzenorganisationen des deutschen Gesundheitswesens gegründete gematik im Auftrag der berufsständischen Selbstverwaltung. Kernstück dieser Infrastruktur ist die elektronische Gesundheitskarte, die derzeit in einem Pilotprojekt getestet wird – und in einem nächsten Schritt zu einer elektronischen Patientenakte ausgebaut werden soll. „Anfangs haben sich alle gegenseitig blockiert“, erinnert sich der Minister. „Und ja: Es könnte noch schneller gehen.“ Aber inzwischen mache das Projekt allen widrigen Umständen, Vorbehalten und divergierenden Interessen im Gesundheitssektor zum Trotz gute Fortschritte. „Es handelt sich immerhin um eines der größten IT-Projekte der Welt: 70 Millionen gesetzlich Versicherte, 150 000 Arztpraxen, 2000 Krankenhäuser und 20 000 Apotheken – wenn wir das gut hinbekommen, kann das ein Exportschlager werden“, unterstreicht Gröhe. Denn die Digitalisierung ist auch im Medizinsektor ein ökonomischer Treiber: Bis 2020 dürfte sich das globale Marktvolumen digitaler Gesundheitsleistungen Prognosen zufolge auf mehr als 200 Milliarden Dollar verdoppeln.

Im Zentrum steht auch bei der Infrastruktur der sichere Datenaustausch über die heute bestehenden Insellösungen hinweg, berichtet der Minister. Denn Daten müssen nicht nur digital erfasst, sondern auch vereinheitlicht werden, um sie für Forschung und Gesundheitsvorsorge verfügbar zu machen. Abschottung ist hier Gift, Gröhe fordert mehr Mannschaftsspiel zum Wohle der Versicherten. Gelingt das, kann der Nutzen indes schon bald bei den Patienten ankommen: Medikationspläne, Notfalldaten und Arzneimittelunverträglichkeiten, hinterlegt auf einer Gesundheitskarte, können Leben retten. Jahr für Jahr kommen in Deutschland allein 250 000 Menschen ins Krankenhaus, weil Medikamente nicht zusammenpassen.

Ein gutes Beispiel für digitalen Fortschritt im Gesundheitssektor ist schließlich Skype. „Fernbehandlungen“ sind bislang in Deutschland zwar verboten. In Baden-Württemberg hat die Landes-Ärztekammer jedoch seit Anfang April die Berufsordnung für Modellprojekte geöffnet. Ärzte und Patienten sollen ausprobieren, ob Videokonferenzen das traditionelle Arzt-Patienten-Gespräch ergänzen können. „Da sehe ich ganz viele Möglichkeiten, gerade in ländlichen Regionen“, ist Gröhe überzeugt.

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Tanja Böhm

Managing Director Corporate Affairs | Leiterin Microsoft Berlin

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