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Nachlese

Künstliche Intelligenz braucht ethische Grundprinzipien

Vom 25.01.2018

Ein Montagmorgen im Januar und die Menschen stehen Schlange bei Microsoft Berlin. Der Anlass ist nicht etwa die Präsentation der neuen Xbox oder kostenloses Office 365. Anlass ist die Vorabpräsentation des Buches „The Future Computed – Artificial Intelligence and its role in society“ von Brad Smith, das der Microsoft-Präsident und Chefjustiziar im Anschluss an seinen Berlin-Besuch auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos vorstellen wird. Dieser große Andrang und die Tatsache, dass unser Microsoft Atrium bis auf den letzten Platz gefüllt war, es ist auch ein Zeichen dafür, wie sehr das Thema Künstliche Intelligenz (KI) KI die Menschen beschäftigt.

Wo aber stehen wir aktuell, wenn es um den Einfluss von KI auf unsere Gesellschaft geht? Dies haben wir am Montag mit führenden Vertretern aus Politik und Wirtschaft diskutiert. Was schnell deutlich wurde: Wir brauchen ethische Grundprinzipien und Rahmenbedingungen, die den Einsatz von Künstlicher Intelligenz beschränken und regeln. Microsoft hat hierfür sechs ethische Grundsätze definiert, die das Fundament für die Entwicklung und Nutzung von KI darstellen sollen: Fairness, Zuverlässigkeit, Datenschutz und Sicherheit, Inklusivität, Transparenz und Verantwortlichkeit.

Was Computer wirklich können sollen, müssen wir entscheiden. Dafür brauchen wir diese ethischen Grundsätze. KI Systeme müssen fair sein, und es muss eine Art Rechenschaftspflicht bestehen für alle, die KI entwickeln. Bevor wir für den Umgang mit KI neue Gesetze verabschieden, müssen wir uns der universellen Werte bewusst sein, die von den KI Prinzipien geschützt werden sollen.

Brad Smith, Microsoft-Präsident und Chefjustiziar

Dr. Andreas Goerdeler, zuständig für die nationale und europäische Digitale Agenda im Bundesministerium für Wirtschaft, lobte die Prinzipien in seiner Keynote: „Die von Ihnen genannten sechs Prinzipien sind für uns eine Richtschnur. Der Nutzen von KI muss nach vorne gestellt werden. Ausreichende Transparenz ist Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Akzeptanz.“

Zusätzlich zu den Prinzipien stand die Veränderung der Arbeitswelt im Fokus der Diskussionsrunde. „IT-Kompetenzen werden in jedem Beruf notwendig sein. Erfolgreich werden die Arbeitnehmer sein, die den Umgang mit Technologien annehmen statt IT abzulehnen“, prognostizierte Brad Smith. Aktuell seien es nur sechs Prozent der Studenten in Deutschland, die in ihrem Erststudium Informatik belegen. Das ist zu wenig, so Smith. „Wir müssen über neue Karrieren und Lernsysteme nachdenken genau wie über die Veränderung des sozialen Sicherheitsnetzes. Zukünftig wird es mehr Mitarbeiter on-demand geben als Angestellte. Auch sie müssen abgesichert werden.“

Künstliche Intelligenz kann jeden einzelnen von uns dabei unterstützen, mehr zu erreichen, ist sich Brad Smith sicher. Um die KI-Ära in die richtige Bahn zu lenken, bedarf es einer globalen Diskussion mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und der Zivilgesellschaft. „Wir müssen die Weichen dafür stellen, dass Computer zu unserem Nutzen arbeiten“, forderte er.

Dass die Industrie die Chancen von Technologien traditionell in den Vordergrund stellt, unterstrich Iris Plöger. Das Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie wies daraufhin, dass China bereits sehr strukturiert in Sachen KI vorginge und hohe Investitionen in diesem Bereich tätigt. Sie wünscht sich, dass sich speziell in Deutschland das Verhältnis zu Daten verändert und Angstdebatten von Fortschrittsgedanken abgelöst werden. „Wir haben eine stetig wachsende Weltbevölkerung, die wir ernähren müssen. Solche Anforderungen lassen sich durch KI schneller bewältigen.“

FDP-Politikerin Nicola Beer ist sich sicher, dass unsere Kinder in Jobs arbeiten werden, die es heute noch gar nicht gibt. Allerdings seien unser Bildungssystem und unsere Pädagogen nicht auf die Anforderungen eingestellt. Hier müsse die Politik schneller reagieren. Deshalb fordert sie eine digitale Transformation der Politik. „Ich verstehe Politik als Vorreiter“, sagte sie.

Nicht zuletzt gehörte Jan Philipp Albrecht zur Runde der Diskutanten. Dem Mitglied des Europäischen Parlaments sind ethische Kommissionen zu wenig, um mit Technologien umzugehen. „Die Herausforderungen sind enorm. Es gibt immerhin auch Analysten, die behaupten, dass 50 Prozent der Arbeitsplätze wegfallen könnten. Ich frage mich, wer sich darum kümmert, dass wir über diese Themen debattieren, Technikfolgenabschätzungen machen und Standards erarbeiten?“

Diese Veranstaltung hat gezeigt, dass die Gesprächsbereitschaft und das Interesse bei Politik, Wirtschaft, Verbänden und Gesellschaft groß sind und es konkrete Ansätze zur chancenreichen Nutzung von KI gibt. Diesen Pfad gilt es weiter aktiv gemeinsam zu beschreiten.

Informationen zur Autorin

Tanja Böhm

Managing Director Corporate Affairs | Leiterin Microsoft Berlin

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