#Veranstaltungen
Nachlese

Von Qubits und sehenden Computern

Vom 20.11.2017

Vor 26 Jahren wünschte sich Bill Gates, dass es eines Tages gelingen würde, einen Computer zu entwickeln, der sprechen, sehen, hören und Menschen verstehen kann. Genau an diesem Punkt seien wir jetzt angekommen, verkündete Microsoft-Chefin Sabine Bendiek auf der 4. Explained Konferenz, zu der Microsoft Berlin am 16. November in die Hauptstadtrepräsentanz eingeladen hatte.

Unter dem Motto Team Mensch-Maschine stellten zehn Vordenker, Wissenschaftler, junge Unternehmer und Vertreter von Microsoft den Gästen die Technologie-Trends der Zukunft vor. Gemeinsam mit ihnen diskutierten die Referenten einen Nachmittag lang, welche Chancen die Gesellschaft und die Wirtschaft durch Künstliche Intelligenz, Quanten Computer oder Block Chain Technologien erwarten und welche Risiken zu meistern sind.

Wandel durch Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz (KI) verändert aktuell jede Industrie und jedes Leben, sagte Sabine Bendiek. Warum KI ausgerechnet jetzt so einen Hype erfährt, erklärte die Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft damit, dass durch die Einführung von Cloud Computing große Fortschritte in punkto hoch skalierender Infrastrukturen und großen Rechenleistungen gemacht worden seien genau wie bei Machine Learning. Auch bei der Spracherkennung ist nur noch eine Fehlerquote von 5,9 Prozent bei Maschinen zu verzeichnen. Das ist fast so gut wie bei einem Menschen, erklärte Sabine Bendiek. Nur Dialekte und Kindersprache seien noch eine Herausforderung, wendete sie ein. Bei Bildern ist der Erkennwert bei Maschinen so hoch, dass sie nur noch eine Fehlerquote von 3,5 Prozent aufweisen würden.

Wie man Computern das Sehen beibringt, das erklärte Dr. Anna Lukasson-Herzig, CEO von Nyris, ein Start-up, das vom Microsoft Accelerator gefördert wird. Die Jungunternehmer haben eine Technologie entwickelt, die Pixel versteht. Damit sind Maschinen in der Lage, Visuelles zu erkennen und im Netz nach bestimmten Bildern oder Bildausschnitten zu suchen. Auf diese Weise könne eine Datenbank mit 500, 500.000 oder 500 Millionen Produkt- oder Objektbildern durchsucht werden, ohne die Geschwindigkeit von weniger als einer Sekunde zu überschreiten, so die IT-Gründerin.

Ein Blick durch die Mixed Reality

Mit welchen Brillen Menschen jetzt schon viel mehr erkennen können als nur die Realität, ist die HoloLens. Die Mixed Reality-Brille wird bereits zu Trainings in der Berliner Charité eingesetzt und zeigt den angehenden Ärzten, was mit einem Patienten passieren würde, wenn sie bei einer OP einen bestimmten Schnitt machen. Aber auch Kriminalermittler nutzen die Brille, um einen Tatort zu untersuchen, erzählte Thomas Kowollik, Senior Director und Segment Lead Consumer and Devices Sales Group und Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland, dem Publikum.

Dass neue Technologien auch in der Formel Eins für mehr Geschwindigkeit sorgen, erläuterte Mark Everest, der IS Development Manager des Renault Sport Formel Eins Teams. 34 Billionen Daten sammelt ein Formel 1 Rennwagen pro Rennen. Bei 20 Rennen im Jahr kommt eine riesige Datenmenge zusammen, deren Auswertungen dem Team bei Optimierungsarbeiten erheblich unterstützt. So ist es nicht verwunderlich, dass für das größte Sportspektakel der Welt, das pro Rennen im Schnitt 400 Millionen Zuschauer zählt, Big Data, Machine Learning und KI eine maßgebliche Rolle spielen.

Das menschliche Hirn als technologisches Wunder

Die beste „Technologie” besitzt allerdings immer noch das menschliche Gehirn, machte Dr. Simon Stringer, Leiter des Oxford Centre for Theoretical Neuroscience and Artificial Intelligence an der Oxford University, deutlich. Sein Team entwickelt neuronale Netzwerk-Computermodelle, die verschiedene Gehirnfunktionen, einschließlich Sehkraft, räumliche Verarbeitung und Navigation, Hör- und Sprachverarbeitung, motorische Funktionen und Verhalten adaptieren sollen. Noch kann kein Computer erkennen, ob jemand hinfällt oder sich nur hinsetzen will. Aber schon in den kommenden 20 Jahren sollen lebensechte, intelligente Maschinen entstehen, die in der Lage sind, ihre visuell-räumliche Welt wahrzunehmen und darin flexibel zu agieren.

Quantensprung mit Quantencomputer

Ist diese Story aus einem Science-fiction oder schon bald schon Realität? Professor Dr. Winfried Hensinger leitet die Quantentechnologiegruppe der Universität Sussex. Gemeinsam mit seinem Team baut er den Prototypen eines Quantencomputers und konnte von ersten Erfolgen berichten. So erzählte der deutsche Physiker lachend, dass der Computer zwar nicht mit Office 365 arbeiten würde, dafür aber Aufgaben lösen könne, die selbst der schnellste Computer in 100 Jahren nicht entschlüsseln könnte. Grundlage des Computers sind Qubits, das Pendant zu klassischen Bits. Diese können 0,1 oder sogar beides gleichzeitig sein. Um die Qubits zu simulieren, werden Ionen auf Siliziumträgerelementen mit Mikrowellen und kleinen Magnetfeldern in so genannten Logikgattern eingesperrt, wodurch diese als Qubits fungieren können. Durch diese Vorgehensweise ist auch der Kühlungsprozess moderater geworden.

Mindestens noch zehn Jahre würden die Forscher benötigen, bis sie ihren ersten Prototypen fertig gestellt haben, prognostizierte Prof. Hensinger.

Wo stehen wir aktuell?

Zurück ins Hier und Jetzt holte die Konferenzteilnehmer der Beitrag von Thomas Langkabel, National Technology Officer bei Microsoft Deutschland. Er verkündete die Ergebnisse des jüngsten e-Government-Monitors. Dieser ergab, dass die Nutzung der Internetdienste, die die öffentliche Verwaltung den Bürgern zur Verfügung stellt, von 45 auf 41 Prozent zurück gegangen sei. Überhaupt rangiert die digitale Modernität der öffentlichen Verwaltung in Deutschland im europäischen Vergleich auf Platz 20. Danach würden nicht mehr viele Länder kommen, so Langkabel.

Die Zahlen greifen die Ergebnisse einer Umfrage auf, die Sabine Bendiek zu Beginn der Konferenz nannte und die sich mit dem aktuellen technologischen Stand Deutschlands auseinandersetzte. So beklagten drei von vier der Befragten die schlechte Infrastruktur und das viel zu langsame Internet in Deutschland. Über 70 Prozent gaben an, dass die Digitalisierungsvorhaben in unserem Land durch politische Baustellen blockiert seien. Dabei sahen über 30 Prozent der Befragten in der Digitalisierung größtes Potenzial für die Bildung und die öffentliche Verwaltung. Beispiele dafür lieferte Thomas Langkabel. Er erklärte, wie Assistenzsysteme Bürgern mit Rat und Tat zur Seite stehen und die überlasteten Verwaltungsmitarbeiter entlasten könnten. Oder wie Systeme an öffentlichen Plätzen ungewöhnliche Bewegungsmuster erkennen und somit zu mehr Sicherheit beitragen könnten.

Anders als die öffentliche Verwaltung würden sich Banken und auch die Deutsche Bahn intensiv mit technologischen Innovationen auseinandersetzen, lobte Prof. Dr. Philipp Sandner. Der Leiter des Franfurt School Blockchain Centers der Franfurt School of Finance & Management ist Spezialist im Bereich Blockchain-Technologie. Er beschrieb, wie schon bald Geldbeträge via Mail verschickt würden – sicher und zuverlässig. Eine dafür notwendige Blockchainadresse könne auch eine Maschine besitzen, was Banken und Versicherungen zu neuen Geschäftsmodellen herausfordere. Auch hoffnungslos ineffiziente Prozesse im Güterverkehr und Lagerung der Waren könnte über die Blockchain-Technologien viel schlanker, sicherer und schneller gehandhabt werden.

Mehr über die <EXPLAINED> Konferenzen bei Microsoft Berlin erfahren Sie hier.

Der Blick in die technologische Zukunft verdeutlichte, welche Veränderungen auf die Menschen zukommen werden, aber auch welche Möglichkeiten diese eröffnen. Bei allen bevorstehenden Innovationen darf das Leitbild der Konferenz nicht außer acht gelassen werden. Durch die Einführung von Technologien wollen wir Menschen nicht überflüssig machen, sondern ihnen helfen, besser zu werden.

Sabine Bendiek, Microsoft Deutschland

Informationen zum Autor

Christoph Seitz

Corporate Affairs Manager | Leitung Programm und Betrieb Microsoft Berlin

Veranstaltungen zum Thema

Weiterführende Beiträge zum Thema

Jobmotor Künstliche Intelligenz?

von Christoph Seitz vom 30.11.2018

Unter dem Motto „Future of Work EXPLAINED – Jobmotor KI und die Skills von morgen“ haben wir am Dienstag mit über 300 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu genau dieser Fragestellung diskutiert und spannende...

Weiterlesen

Das Microsoft Hackfest 2018: Gemeinsam mehr erreichen – auch für den gemeinnützigen Sektor

von Astrid Aupperle vom 09.08.2018

In zwei Tagen haben rund 1.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 39 verschiedenen Projekten gearbeitet. Ein einzigartiges Erlebnis!

Weiterlesen

Code with purpose! Start der #imaginecup finals in Seattle

von Isabel Richter vom 23.07.2018

Code with purpose!“ – so lautet das diesjährige Motto des weltweiten Schüler- und Studentenwettbewerbs Imagine Cup, mit dem Microsoft junge IT-Talente und Nachwuchsentwickler fördert.

Weiterlesen

Unser KI-Plan für Deutschland

von Tanja Böhm vom 03.07.2018

Am Donnerstagabend stellte Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung Microsoft Deutschland, den Gästen aus Politik, Presse, Wirtschaft und Wissenschaft im Rahmen des Parlamentarischen Abends den Plan der Microsoft...

Weiterlesen

Folgen Sie uns